29.08.11

Paris

Diesen Sommer fahre ich nach Paris. Die Stadt der Liebe. Mit Jenny. Jenny ist so ein Mädchen mit der Man(n) lieber Bier trinken geht und schmutzige Witze reißt, als mit ihr zu schlafen. Deswegen geht's mit ihr los. Mit dem Bus wie sich das für junge, wilde, freie Menschen ohne Geld gehört.
Busfahrten erinnern mich immer an Klassenfahrten nur, dass diesmal nicht meine gröhlenden, angetrunkenen Freunde dabei sind sondern lauter mit 20iger die anscheinend nochmal dieses Feeling erleben wollen. Dieses freie junge Gefühl und dieses Abenteuer. Ob man das bei einer vor-gebuchten Reise bei der alles verplant ist auch findet, stellt sich dabei aber in den Raum.
Was mir bei der ersten Pause schlagartig auffällt ist, dass diese Menschen ein großer Haufen Pärchen sind, die wahrscheinlich eher Romantik und Kultur suchen als Abenteuer. Paris ist da ja auch perfekt dafür. Jeder kann danach bei einem Glas Wein (französischer versteht sich) seinen Freunden erzählen: „Ja, Marcus und ich waren ja auch in Paris und es war soooooo romantisch oder nicht, Schatz? “ Marcus wird sich mit den Jahren wahrscheinlich dann doch eher wünschen 1941 mit betrunkenen Männern und auf Ketten nach Paris gereist zu sein, als mit seiner Freundin. Das kann ja was werden, denke ich dann weiter bei mir. 10 Stunden in einem stinkenden Bus mit knutschenden Pärchen die sich sie Sülze um die Ohren schmieren.
Wie manche Leute in einem verfluchten Reisebus schlafen können bleibt mir deshalb auch unerklärlich, ich bekomme nämlich selbst bei Keane, Chopin und anderem Geklimper kein Auge zu. Irgendwann kommt bei Männern dann auch der Zeitpunkt, dass sich nur noch ein Gedanke einstellt z.B. nach einem langen Abend in der Kneipe oder sonst wo, gibt es nur zwei Gedanken und das männliche Gehirn lässt auch nichts anderes zu nämlich: nach Hause und ins Bett. Ungefähr so geht es mir nach der Ankunft und der anschließenden Stadtrundfahrt. Duschen und kurz schlafen, sonst nichts. Jenny ist in dieser Sache zum Glück wie ein Kerl und tut es mir gleich.
 Als wir so durch die Straßen schlendern fällt mir, jemand aus einer verregneten kleinen norddeutschen Stadt kommt, erst richtig auf was es für hübsche Frauen eigentlich auf der Welt gibt und das anscheinend der größte Anteil in Paris lebt und man sie deshalb nie sieht.
Nach vielen Besichtigungen und Ausflügen nach Versailles usw. schauen wir uns an einem eher kühlen Abend das Künstlerviertel an in dem auch schon Piccasso gewohnt hat. Die Reisegruppe ist ganz aus dem Häuschen und ein: „Wow, Kultur und Kunstgeschichte hautnah“ geht durch die Reihen. Allein bei dem sehnsüchtig, romantischen seufzen der jungen Pärchen (Ja, auch die Männer seufzen !!!) bekomme ich, der doch recht realitätsnahe Ambitionen pflegt, ein leicht abneigendes Gefühl in der Magengegend. Einer der Höhepunkte ist später am Abend eine Wand, jaja, hoho, nicht irgendeine Wand, auf der steht nämlich in 200 verschiedenen Sprachen: „ich liebe dich.“ Der Pärchenhaufen meiner Reisegruppe ist natürlich ganz aus dem Häuschen, weil das ja total romantisch ist und alles erdenkliche übersteigt. Die sehr weiblich gebaute, aber süß aussehende Reiseleiterin guckt in die Runde und fragt zwei bis drei ausländische Pärchen ob sie ihre Sprache entdecken. Ein Iranischer Mann ruft daraufhin lauthals in die Runde wie er es seiner Frau sagt: „ Mahn doostaht doh-rahm !!!“ Aha, interessant, danke für den Beitrag, das wollte ich schon immer wissen. Alle lachen beherzt und fotografieren sich wie sie sich vor der Wand küssen. In diesem Moment frage ich mich wie viel Schmalz ein Mensch ertragen kann. Für eindeutig zu viel denn mein Baguette möchte jetzt gerne in einem Stück von mir Rückwärts gegessen werden.

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